moremaids

März 2004

Frühjahrstour 2001


Liebe More Maids-Freunde, wir fanden es an der Zeit, euch mal ein paar neue Geschichten von unterwegs zu erzählen. Lest nun, was uns so alles dieses Frühjahr vor, während und nach den Konzerten passiert ist.
Viel Spaß,
Barbara (Autorin), Gudrun und Marion (Editorial) :-)


Freitag, 5.3.
Heute beginnt unsere Frühjahrstour – im nordhessischen Korbach. Obwohl das nicht sehr weit weg von meinem Wohnort Hannover ist, habe ich dieses Mal die längste Anreise, denn ich starte direkt aus dem Skiurlaub in Tirol. Meine Mit-Urlauber, darunter mein Mann, bringen mich samt Bouzouki zum Zug. Etwas wehmütig nehme ich Abschied. Es ist ein klarer, sonniger Morgen, und der Bummelzug kurvt mich um die Zugspitze herum in Richtung Garmisch-Partenkirchen. Wegen der schönen Aussicht müsste die Strecke eigentlich kurtaxenpflichtig sein. Im Wegfahren kann ich noch die Rückseite des Berges bewundern, auf dessen Vorderseite ich noch am Tag vorher auf der Alm saß ....

Viele Stunden und dreimal Umsteigen später sitze ich wieder in einem kleinen Bummelzug, der mich um diesmal hessische Hügel kurvt. In Korbach werde ich von unserem Veranstalter Gerd abgeholt und zu unserem Auftrittsort, dem Bürgerhaus, gefahren, wo ich Marion und Gudrun treffe. Gudrun hat eine fast ebenso lange Reise hinter sich – mit dem Auto von Stuttgart über Mannheim (Marion einsammeln) und die Pfalz (Teile unserer Beschallungsanlage einladen). Wir freuen uns mächtig über das Wiedersehen und sind gleichzeitig etwas nervös, denn seit unserem letzten Auftritt sind fünf Wochen vergangen. Eine so lange Pause wirkt sich erfahrungsgemäß auf die Routine aus. Noch dazu haben wir in Korbach einen guten Ruf zu verteidigen und wollen uns nicht zuletzt deswegen von unserer besten Seite zeigen. Nach kurzer Diskussion beschließen wir daher, kein Risiko einzugehen und keins von den neu geprobten, aber möglicherweise noch nicht sicher sitzenden Stücken zu versuchen.

Schließlich stößt auch Sven zu uns, unser Techniker, der aus Bochum angereist ist, und allmählich stellt sich das vertraute Vor-Konzert-Gefühl ein. Es entsteht aus dem Hören einer bestimmten CD, die Sven immer benutzt, um danach die Beschallungsanlage einzuregeln, unseren Routinehandlungen wie Mikrofone verkabeln, Plektren sortieren, Instrumente stimmen, Kabel festkleben und so weiter, gepaart mit gespannter Vorfreude. Zwischen Soundcheck und Konzert ist noch Zeit, unsere Hotelzimmer zu beziehen. Wir sind im gleichen Hotel wie voriges Mal, aber dieses Mal sind wir schlicht platt über unsere im wahrsten Sinne des Wortes goldigen Zimmer: Der Hotelier hat, weil Korbach auf einem noch nicht ganz ausgebeuteten Goldberg liegt, die Zimmer rund um das Thema Gold dekoriert und ausgestattet. Ich werde im „Piratengold“ schlafen, Marion im orientalischen Gold, Gudrun im Gold Afrikas und Sven, ganz der Techniker, in den „Elementen des Goldbergs“. http://www.hotel-am-rathaus.de/

Zurück im Bürgerhaus freuen wir uns über ein zahlreich erschienenes Publikum, das sich im Verlauf des Konzerts als wohlgesonnen herausstellt. Die kleinen Fehler, die sich bei uns einschleichen, ignoriert es netterweise ;-). Uff, das hätten wir geschafft – der erste Auftritt einer Reihe ist immer ein wenig kribbliger als die folgenden. Nach dem Konzert werden wir mit einem köstlichen griechischen Essen belohnt – mit reichlich Knoblauch – mmmh! Nach dem Essen wollten wir eigentlich vernünftig sein und in unseren Goldzimmern Matratzen horchen. Aber auf dem Weg zum Hotel lockt diese nette Kneipe – und wir lassen uns ganz schnell von unseren inneren Schweinehunden überreden, dort auch noch einzukehren und den Tag mit einem leckeren Cocktail zu beschließen ... oder zwei...

Sonnabend, 6.3.
Wir drei Mädels treffen uns zum spätestmöglichen Zeitpunkt zum Frühstück. Sven ist schon unterwegs - er hat bei E-Bay eine Handy/Pocket-PC-Version ersteigert, und das Teil muss er bis mittags in der Nähe von Frankfurt abgeholt haben. Da wir abends in Eschborn spielen, nicht weit von Frankfurt, ist das kein Umweg, aber er muss früh los und ist schon 200 km weiter, als wir noch das Frühstücksbüffett plündern. Aber auch wir verbringen nicht mehr viel Zeit in Korbach, sondern verschieben den eigentlich geplanten Stadtbummel auf das nächste Mal. Das liegt nicht daran, dass Korbach uns nicht gefallen würde, aber über Nacht hat es geschneit, und bei grauem Himmel, eisiger Luft und mit Schneematschpfützen ist die schönste Stadt weniger attraktiv als ein gut geheiztes Auto. Als wir zum Parkplatz kommen, ist Gudruns Auto schon komplett von Schnee und Eis befreit. Wir wundern uns: Hat etwa ein Unbekannter unser Auto mit seinem eigenen verwechselt und dann den Irrtum fluchend festgestellt? Hat Sven an uns gedacht? Einige Tage später erfahren wir des Rätsels Lösung: Unser Veranstalter, Gerd, hat uns diese nette Überraschung beschert, als Abschiedsgruß sozusagen... Es gibt noch echte Kavaliere!

Von unterwegs rufen wir per Handy Sven an und verabreden, dass er schonmal in der Nähe von oder in Eschborn einen netten Ort für einen nachmittäglichen Restaurantbesuch auskundschaften soll. Sven sitzt bereits in einer Schnell-Pizzeria, als er diesen Auftrag bekommt. Zwei Stunden später treffen wir uns in Bad Homburg in der Fußgängerzone, und wir drei Mädels machen mit sicherem Instinkt einen vielversprechenden, durchgehend geöffneten Italiener mit bodentiefen Fenstern ausfindig. Die Preise sind gar nicht so teuer wie Outfit und Habitus der sich an den Fenstertischen zur Schau stellenden anderen Gäste zunächst vermuten lässt. Und das Essen ist einfach wunderbar! Sven, der nach seiner Schnell-Pizza nur noch Platz für einen Cappucino und einen Nachtisch hat, schwört sich, nie wieder irgendeinen Fraß einzuwerfen, wenn er in absehbarer Zeit auf uns trifft.

Im „K“ in Eschborn kommen wir trotz dieser ausgiebigen Nachmittagspause viel zu früh an und müssen warten, bis jemand kommt und aufschließt. Sven vertreibt sich die Zeit damit, unser Auto mit Schneebällen zu bewerfen, bis wir ihm Platz machen und ihn mit reinholen. Im Autoradio läuft die Fußball-Bundesliga-Schlusskonferenz. Gerade als es wirklich spannend wird, kommt unser Veranstalter und schließt uns auf. Mist, jetzt werde ich so bald nicht erfahren, ob Hannover vielleicht doch noch gewonnen, Bayern München vielleicht doch noch verloren hat. Aber wir sind ja nicht zum Fußball hören hier. Wir bauen auf und proben unsere neuen Stücke mal über die Verstärkeranlage. Wie die Musiker unter euch wissen, ist es ein himmelweiter Unterschied, ob man unverstärkt im kleinen Kreis spielt oder ob man sich über Lautsprecherboxen hört. Deswegen ist der zweite Schritt nach dem Proben im "Kämmerlein" bei uns immer das Proben mit Anlage. Und weil wir uns mit dem Sound unserer neuen Stücke heute noch nicht so richtig wohl fühlen, verzichten wir erneut darauf, sie auch tatsächlich aufzuführen. Aber wir kommen diesem Punkt näher, versprochen!

Nach dem Konzert, CD-Verkauf und Abbau machen wir uns auf nach Mannheim, wo wir zum ersten Mal Marions neue Wohnung besichtigen und als Übernachtungsquartier in Anspruch nehmen dürfen. Aber vorher machen wir für den kleinen Hunger und als Kontrastprogramm zum gehobenen Mittagessen ;-) noch einen Zwischenstopp bei Burger King, wo es tatsächlich alles „bigger“ und „better“ist. (Wir sollten mal mit Burger King über Provisionen reden .....)

7.-9.3. diese Tage sind als kleine Verschnaufpause freigeblieben. Wir trennen uns kurzfristig, und jede kann sich zuhause noch einmal um den jeweiligen Mann, die Katzen und die Wäsche kümmern...

Mittwoch, 10.3.

Wir spielen im Dehnberger Hoftheater. Es stellt sich als ein sehr schönes und stimmungsvolles Theater heraus, mit Künstlerwohnung im Haus und eigenem Restaurant (lädt zum Verweilen ein...). Auch in Dehnberg haben wir trotz „Premiere“ ein volles Haus und einen guten Draht zum Publikum. Heute ist auch unsere Musikerkollegin Sabine Pichler im Publikum, die bei der denkwürdigen Reise (ihr erinnert euch an die Ansage zu „Eamonn‘s House“?) nach Irland mit Gudrun zusammen auf der Fähre war, als der schlimme Orkan tobte... kurz nachdem „Titanic“ in den Kinos angelaufen war... Die Anwesenheit von Sabine verleitet Gudrun dazu, bei der Ansage etwas mehr als üblich ins (unappetitliche) Detail zu gehen, was bei der Band zu kleineren Lachanfällen führt.

Später, bei unserer letzten Zugabe „Ready for the Storm“ passiert etwas vollkommen Merkwürdiges: Ausgerechnet in diesem Lied fehlen mir auf einmal zweieinhalb Zeilen Text! Wie weggeputzt, als ob sie nie dagewesen wären - das ist mir noch nie passiert! Gott sei Dank springt meine kurzzeitige Panik nicht auf meine beiden Kolleginnen über, sie spielen tapfer weiter, und schließlich finde auch ich den Faden wieder...Uff!

Nach dem Konzert essen wir im Restaurant (Nürnberger Bratwürstchen / Rindfleisch mit Meerrettich, extra scharf und extra viel) und werden dann von den Leuten am Nachbartisch angesprochen. Es ist eine Gruppe von Kollegen, die unser Konzert als Ziel für einen Abteilungsausflug ausgesucht hatten. Die Stimmung ist schon ziemlich fortgeschritten, und wir werden zum Schnaps eingeladen. Da sagen wir nicht nein, und unversehens finden wir uns am Nachbartisch wieder, „Der Hahn ist tot“, bayerische Schnadahüpferl und fränkische Zwiefache singend. Dann packt Gudrun das Akkordeon noch einmal aus, und wir geben unser traditionelles Pfälzer Lied „De klääne Mann“ zum Besten.. und wer weiß, wo das noch geendet hätte, hätte nicht die Belegschaft auf ihren Feierabend bestanden (zum Glück, wir haben ja morgen noch was vor...)!

Donnerstag, 11.3. Und Freitag, 12.3.
Wir nutzen diese auftrittsfreien Tage, um bei Gudrun zuhause intensiv unsere neuen Stücke zu proben. Und genießen die Abende mit Wein und DVDs. Am ersten Abend gibt es "Das Leben des David Gale". Sehr spannend, aber harter Tobak.

Später kommen noch Gudruns Freund Jürgen und seine Bandkollegen Billy und Christoph von ADARO dazu, und angeregt durch das sehr empfehlenswerte Buch „Eine Billion Dollar“ von A. Eschbach fangen wir an zu überlegen, was wir mit 5 Millionen Euro anstellen würden, wenn wir sie plötzlich hätten. Eine spannende Diskussion, die sich über weite Strecken mit dem Thema „verändert viel Geld zwangsläufig den Charakter?“ beschäftigt. Wir werden es vermutlich nie erfahren. :-)

Am zweiten Abend sehen wir "Ritter aus Leidenschaft". Seeehr gut! Der Titel ist irreführend - es handelt sich nicht um eine billige Mittelalterromanze, sondern um einen sehr modernen Ritterfilm - unterlegt mit Rockmusik und voller witziger Anspielungen - ebenfalls mit dem Prädikat „empfehlenswert“!

Sonnabend, 13.3.
Germering. Besser gesagt Cobbler's Schusterhäusel in der Nähe von Germering. Zweimal waren wir bereits dort, und so freuen wir uns ganz besonders, weil wir wissen, was uns erwartet. Doch diesmal fängt es schon ganz anders an als die vorigen beiden Male: Wir verfahren uns auf dem Weg dorthin nicht! Und noch etwas ist anders als sonst: Wir müssen bei der Beschallungsanlage gar nicht viel improvisieren. Einige von euch erinnern sich wahrscheinlich an das kaputte Effektgerät, das uns und unseren Techniker beim letzten Mal ins Schwitzen brachte...

Der Soundcheck geht schnell, und wir haben noch viel Zeit bis zum Auftritt. Die Zuhörer strömen schon reichlich, und es verspricht ein richtig netter Abend zu werden. Und genau das wird es dann auch. Im Publikum sind u. a. unsere Freunde von der Summerstorm Dance Company und eine weitere Musikerkollegin (Flöte) - Gabi Bretscher - samt Eltern. Wir haben viel Spaß auf der Bühne, die sich deutlich von den meisten anderen Bühnen unterscheidet - sozusagen im „Landhausstil“...
Bei Ready for the Storm fehlen mir diesmal wieder einige Wörter ... ist doch erstaunlich, wie ein sonst ganz sicher sitzender Text einem auf einmal nicht mehr im richtigen Moment einfallen will. Und wie nach einem Patzer der nächste quasi vorprogrammiert ist.

Gleich nach Ende der Vorstellung empfängt uns unser Veranstalter mit vier Gläsern Whisky, denn es gibt etwas zu feiern: Wir haben den Schusterhäusl-Besucherrekord gebrochen! 174 zahlende Gäste - das ist mehr als je dort bei so renommierten Folk-Bands wie z. B. den bisherigen Spitzenreitern, den McCalmans, waren. Und sogar die Tannahill Weavers, meine ganz großen Helden aus meiner eigenen Folk-Anfangszeit, hatten dort weniger Publikum als wir!

Später treffen wir uns dann alle im gemütlichen Pub im Keller wieder und beschließen diesen schönen Abend mit ein paar erlesenen Tropfen aus Matschs (das ist der Spitzname unseres Veranstalters und Betreuers, Martin) Sortiment. Seehr lecker!!!

Sonntag 14.3.
Heute lassen wir alles ganz ruhig angehen ... Wir haben ja schließlich einen freien Tag. Wir fahren ohne Eile zu Gudrun nach hause und Gudrun schaut noch im Studio vorbei, wo derzeit Aufnahmen für die CD ihrer Band Cara laufen. Marion und ich machen uns auf die Suche nach ein paar schönen Stücken Torte für den nachmittäglichen Kaffeeklatsch. Wir werden auch fündig und setzen uns an das offene Wohnzimmerfenster in die Frühlingssonne, die heute erstmals aus voller Kraft scheint. Später dann proben wir zu dritt noch einmal unsere neuen Stücke.

Besondere Freude macht uns unser heutiges Abendprogramm: Im nahen Reichenbach gastiert das Irish Spring Festival. Was für ein glücklicher Zufall, dass wir dafür mal Zeit haben. Sonst kommt es oft vor, dass man zu guten Konzerten nicht gehen kann, weil man selber unterwegs ist. Es ist echt schön, zwischendurch auch mal andere Musiker auf der Bühne zu sehen und nach dem Konzert ein paar Worte mit ihnen zu wechseln. Außerdem treffen wir die beiden Martins aus der „Dieselstraße“ in Esslingen, die jedes ihnen erreichbare Folkkonzert besuchen und die jeweiligen Räumlichkeiten mit den Plakaten ihrer nächsten Veranstaltung dekorieren. Wir wundern uns deswegen nur kurz, dass auch wir im Eingangsbereich an der Wand hängen, spielen wir doch am kommenden Samstag in der Dieselstraße. Wir freuen uns schon sehr darauf, erst recht, als wir hören, dass der Club so gut wie ausverkauft ist.

Montag, 15.3.
Heute ist unser Foto-Tag, denn wir brauchen dringend neue Bilder für die Presse und auch für ein neues Plakat - ja, auch so was gehört zu unserem Job. Wir stehen früh auf und fahren nach Tübingen ins Landestheater, wo wir mit zwei Maskenbildnerinnen verabredet sind, die uns für die Fotos stylen sollen. Anderthalb Stunden später sind wir „fertig“ und fahren ins Grüne, wo wir mit Christoph (bei ADARO für Dudelsack und Gesang zuständig, bei uns fürs Fotografieren) die Fotosession starten. Erstmal heißt es dazu Möbel schleppen, denn wir haben vor, ein Sofa auf die Wiese zu stellen. Nach einigen Anläufen, während derer wir das Sofa insgesamt einmal um 360° gedreht haben (wegen des Lichteinfallwinkels und der abschüssigen Wiese), entstehen dann die ersten Fotos. Wir werden unser geliebtes Sofa heute noch einige Male tragen - durch Kuhmist und Frühlingsmatsch...

Als wir einen malerisch knorrigen Baum passieren, hat Christoph die Idee, dass wir in ihn rein klettern sollen. Wir haben unser Bühnen-Outfit an, also eher unsportliche Röcke, eher feine Strümpfe und eher hochhackige Schuhe. Trotzdem finde vor allem ich die Idee reizvoll und teste im Selbstversuch, ob man nicht doch auch als Dame verkleidet auf Bäume klettern kann. Ergebnis: Wenn man die Schuhe ausziehen kann, die restlichen Klamotten danach nicht mehr braucht und einen Kavalier hat, der einen in entscheidenden Momenten zusätzlich stützt, kann es klappen. Aber zumindest die ersten beiden Bedingungen sind bei uns nicht erfülllt, und wir geben den Plan mit dem Baum auf.

Wir fotografieren noch stundenlang in verschiedenen Umgebungen, zu guter Letzt sogar an einem Menhir - auch so etwas gibt es in Schwaben! Aber hier merken wir deutlich, wieviel Kraft uns die ganze Aktion schon gekostet hat, und die Gesichtszüge beginnen auch auf den Fotos zu entgleisen. Wir brauchen dringend Nahrung! Und Flüssigkeit! Schließlich durften wir die vergangenen sechs Stunden nichts tun, was unsere mühsam aufgetragene Gesichtsdekoration irgendwie hätte beschädigen können, und Trinken gehörte eindeutig dazu. Darum beschließen wir, es gut sein zu lassen. In Tübingen-City gehen wir mit Christoph Nahrung und Flüssigkeit auffüllen, und dann müssen wir auch schon zum nächsten Termin: einem Interview im Stuttgarter Lokalradio. Eine Stunde lang stehen wir Rede und Antwort, erzählen von unseren Touren und hören die Musik unserer CDs. Dann ist endlich auch dieser anstrengende Tag vorbei. Wir treffen uns noch mit Jürgen und Martin (Marions Freund) im Ristorante Michelangelo in Esslingen und essen sehr lecker - auch wenn uns die Form fehlt, um das so richtig zu genießen. Es war der richtige Beschluss, nicht Fotomodell oder Popstar zu werden.

Dienstag, 16.3
Nach einem langen und tiefen Schlaf frühstücken wir und proben noch einmal unsere neuen Stücke, dann veranstalten wir das vertraute „Abreise-Chaos“ und sind schließlich wieder im Bus und auf dem Weg nach Mainz. Unser Club heute heißt „Alte Patrone“, doch wir steuern erst einmal das Hotel an, da wir nach staufreier Fahrt noch viel Zeit haben.
Unser Hotel ist schon einmal sehr nett, aber das Wetter ist zu schön zum Drinnenbleiben. Die Frühlingssonne wärmt uns heute schon richtig, und wir beschließen, lieber einen Spaziergang zu machen. Nach einem kurzen Blick auf den Stadtplan lenken wir unsere Schritte in Richtung „Alte Patrone“, um das (noch unbekannte) Terrain zu erkunden. Wir hoffen, dort ein Café zu finden wo man gemütlich draußen sitzen kann. Fast so ist es dann auch: Es gibt ein Bistro, und man kann zwar nicht draußen, aber an einer geöffneten Terrassentür sitzen. Durch dieses frühlingshafte Gefühl in Urlaubslaune versetzt, bestellen Marion und Gudrun Pernod. Der zeigt sofort seine Wirkung, und die Stimmung ist äußerst gelöst, als Sven, wieder aus Bochum zu uns gestoßen, seinen Benz auf das Gelände fährt.

Wir bauen auf. Der Raum ist eigentlich schön, nur steht das Pult für Sven im ersten Stock in einem „Regieraum“, ähnlich wie der Vorführraum im Kino. Da oben hat man natürlich erschwerte Bedingungen, denn man kann kaum hören, wie es im Saal klingt. Nicht nur Sven, auch wir sind damit etwas unzufrieden, denn so hat das alles nicht ganz die gewohnte Qualität, auch unser Bühnensound ist stark verbesserungsfähig. Aber man kann nichts machen, also fügen wir uns in unser Schicksal.

Leider ist dann auch der Saal nicht so voll, wie es eigentlich wünschenswert wäre, aber immerhin sind die Anwesenden begeistert, und wir haben auch noch Freunde im Publikum, so dass es nach dem Konzert noch einen netten Ausklang im Bistro gibt. Einer unserer Freunde, Axel, hat um Mitternacht Geburtstag, und natürlich singen wir und stoßen mit Sekt an!

Mittwoch, 17.3.
Das Hotelfrühstück findet heute ohne uns statt - wir sind zum Geburtstagsbrunch bei Axel und seiner Frau Christine eingeladen. Ein tolles Frühstück erwartet uns, und wir brunchen ausgiebig bei guter Musik und netter Unterhaltung - herrlich! Und schon wieder ist das Wetter so gut! Wir entscheiden, auf unserem Weg nach Hockenheim nicht die Autobahn zu nutzen, sondern am Rhein entlang weiterzufahren, und machen in Worms noch einen kleinen Zwischenstopp. Wir fallen als Touristen auf, als wir versuchen, ins neu gebaute Einkaufszentrum einzudringen, weil wir die Schilder übersehen haben, die auf die morgige Eröffnung hinweisen...(!). So landen wir ohne zu shoppen in einem Eiscafé. Auch nicht schlecht.

Übrigens: Heute ist St. Patrick‘s Day! Weil wir diesen irischen Feiertag mit einem Doppelkonzert mit unseren Freunden von “An Tor” begehen wollen, müssen wir uns nun auch schon ein bißchen beeilen, denn auf uns wartet ein entsprechend früher Soundcheck. Als wir im Club, dem Hockenheimer “Pumpwerk” anrufen, heißt es „die Brötchen sind schon da und der Kaffee ist fertig“. Prima, so muss das sein! Wir kommen pünktlich um 16h an und beginnen gleich mit dem Soundcheck. Schöne Bühne, gute technische Ausstattung, alles bestens.

Als An Tor ankommen, gibt es natürlich erstmal ein großes Hallo, schließlich sehen wir uns auch nicht so oft. Die Stimmung „backstage“ ist klasse, und alle freuen sich auf den Abend. Zwischen Tür und Angel proben wir noch schnell drei Stücke für eine gemeinsame Zugabe, dann geht es auch schon los.
Erst spielen An Tor. Uns gefällt es sehr gut, und wir haben großen Spaß. Vor allem die neuen Stücke, die wir noch nicht kennen, finden wir klasse und fallen durch laute Anfeuerungsrufe auf ;-)
Dann sind wir dran. Auch wir spielen heute die neuen Stücke. Erstmals ist auch „Billy“ dabei - ein Song von Nik Kershaw, der sich einfühlsam und mit viel Sprachwitz mit den Problemen des „neuen Mannes“ auseinandersetzt. Trotz unserer deutlich weichen Knie wird es für uns ein echtes Highlight, und auch das Publikum scheint das Lied zu mögen! Unsere 60 Minuten vergehen wie im Flug, und nach einer Zugabe bitten wir dann „An Tor“ wieder auf die Bühne und wir spielen unsere gemeinsamen Zugaben. Die Tunes sind richtig klasse, nur beim Lied (wir singen „Green Grow The Rushes“ von Robert Burns) gibt es einige amüsante Missverständnisse (Wie lang sind die Zwischenspiele der Gitarre? Wann und in welcher Tonart kommt der Instrumentalteil?). Aber wir schaffen es, das (wirklich schöne) Lied zu einem guten Ende zu bringen, und das ohne Lachanfall - also alles in bester Ordnung!

Nach dem Abbau entdecken die Jungs von An Tor noch eine Riesen-Wippe draußen auf dem Spielplatz vor dem Club. Es ist keine normale Wippe, sondern eine auf einem hohen Pfahl mit Kugelgelenk gelagerte - man kreist also beim Wippen. Es geht gleichzeitig gut zwei Meter auf und ab und mit gut vier Meter Durchmesser im Kreis. Super, genau das Richtige für mich. Wo ich doch im Gegensatz zu Gudrun alles was an Seegang erinnert richtig schön finde. Ich tobe mich mächtig aus, tatkräftig unterstützt von Marcus von An Tor und von Sven und juchze und kreische vor Spaß. Hoffentlich sieht das keiner, der mich bisher für seriös gehalten hat ;-)

Donnerstag, 18.3.
Heute geht es weiter in die Schweiz. Wir freuen uns schon sehr darauf - haben wir doch bei unseren vorigen beiden Besuchen nur angenehme Erfahrungen gemacht, sowohl in bezug auf Veranstalter als auch auf das köstliche Essen! Unterwegs machen wir noch einen Zwischenstopp bei Gudrun zuhause und laden ein paar CDs nach. Sven muss seinen Benz dort lassen und für ein paar Tage den Ford Tourneo mit uns teilen. Nicht, dass er das nicht gerne täte – aber wenn man mal an einen schnellen, ruhigen „Stern“-Wagen gewöhnt ist ...

Die weitere Fahrt verläuft unspektakulär. Ich sitze auf dem Rücksitz und schreibe mit meinem neuen Spielzeug (ein Pocket-PC) dieses Tour-Tagebuch. Was den kommenden Abend angeht, ist uns schon ein bisschen mulmig – wir spielen in der Nähe von Schaffhausen in dem kleinen Ort Lohn, und dort in der Kirche (!), in Schaffhausen selber in der Kammgarn (ganz toller, großer Club, wo wir voriges Jahr selber zu Gast waren) spielen Flook, eine der zurzeit angesagtesten Folk-Bands. Ob sich bei dieser Auswahlmöglichkeit genug Folk-Freunde für uns entscheiden? Auch Hans, der Gemeindepastor, der die Konzertreihe in seiner Kirche ins Leben gerufen hat, macht sich ein wenig Gedanken.

Und bevor wir soundchecken können, bekommen wir auch noch technische Schwierigkeiten: Ein genauso unerträglicher wie unerklärlicher Brummton knarzt aus den Lautsprecherboxen. Gottseidank widersteht Sven der Versuchung, auf das Schweizer Stromnetz zu fluchen – der Fehler findet sich nach 20 Minuten intensiver Suche in einer von uns mitgebrachten Mehrfachsteckdose. Und ab diesem Zeitpunkt läuft alles, wie es besser gar nicht sein könnte: Wir finden nach dem Soundcheck noch die Zeit, kurz in unser Hotel zu fahren (schon wieder auf deutscher Seite, mit Blick auf ein Fußballfeld, dessen Einwurfpunkte teilweise wiederum in der Schweiz liegen). Ich bekomme – ganz entzückend – das Hochzeitszimmer mit einem Himmelbett.

Als wir wieder zurück in Lohn bei der Kirche sind, sehen wir schon das Publikum strömen. Unsere kühnsten Hoffnungen werden übertroffen – die Kirche ist voll! Nur an Weihnachten und bei Konfirmationen gibt es mehr Publikum, sagt Pastor Hans, dessen Freude hierüber natürlich zwiespältig ist. Das Konzert läuft sehr gut. Die Atmosphäre ist sehr freundlich und entspannt und gleichzeitig konzentriert. Vielleicht sollten wir öfters in Kirchen spielen? In der Pause bekommen wir sehr viele nette Rückmeldungen aus dem Publikum. Allmählich höre ich Norddeutsches Gewächs mich auch wieder in die Schweizer Sprache rein und muss nur selten nachfragen, weil ich etwas nicht verstanden habe. Oder werde ich vielleicht doch nur geschont von unseren Schweizer Gastgebern, die sich mir gegenüber bemühen, Hochdeutsch zu sprechen?

Es bleibt mir nicht mehr viel Zeit, das zu klären. Der Abend geht viel zu schnell vorbei. Er endet für uns mit einem köstlichen Essen (Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti) und dann – leider – der Flucht auf unsere Hotelzimmer. Denn in der Gastwirtschaft unseres Hotels werden die Herren des örtlichen Stammtischs „zutraulich“ und versuchen lallend, aber resistierend, uns zum Singen zu überreden - oder wenigstens dazu, zu ihnen an den Tisch zu kommen. Wir sehen keine Chance mehr, den Abend gepflegt ausklingen zu lassen und verziehen uns auf unsere Zimmer.


Freitag, 29.03.
Heute geht es weiter nach Österreich – genauergesagt nach Feldkirch in Vorarlberg. Nachdem wir den Tank mit dem günstigen Schweizer Sprit nachgefüllt haben, wollen wir noch schnell unsere restlichen Fränkli in Euro umtauschen. Hierfür fahren wir an den Schaffhauser Bahnhof und parken gegenüber vom Hotel, in dem wir vor einem Jahr übernachteten, als wir in der Kammgarn gespielt hatten. Beim Ausparken sieht Gudrun im Rückspiegel .... Mitglieder der Band Flook! Na so ein Zufall! Die sind ihrerseits gerade dabei, ihr Gepäck zu verladen, um zum nächsten Auftrittsort zu fahren. Wir steigen aus und sagen kurz hallo und erkundigen uns, wie es bei ihnen war. Auch Flook haben ein sehr schönes Konzert mit ausreichend Publikum gehabt – wir haben uns anscheinend niemanden gegenseitig abspenstig gemacht. Noch ein Pluspunkt also für die Schweiz: Es gibt in Schaffhausen genügend Publikum für zwei parallele Folk-Konzerte!
Bei der Weiterfahrt sehen wir allmählich die Alpen auftauchen. Sven und ich hatten gehofft, noch irgendwo Skier leihen und für ein Stündchen fahren zu können.... leider reicht unsere Zeit dafür nicht, und es ist auch nicht wirklich ein Skigebiet in der Nähe. Aber allein dieses Panorama anzusehen, ist schon wieder fast wie Urlaub. Auf österreichischer Seite angekommen und aus dem Grenz-Stau raus, kehren wir noch schnell in ein Straßencafé ein und genießen die österreichische Küche – naja, fast. Es ist schon wieder Nachmittag, und die normalen Wirtschaften haben geschlossen. Auf dem Speiseplan des Straßencafés stehen Toasts, Baguettes und einfache Nudelgerichte. Aber auch das ist lecker. Dazu ein gespritzter Apfelsaft – so heißt hier die Schorle. Wobei wir uns untereinander uneins sind, ob es „die“ oder „der“ oder gar „das“ Schorle ist. Weiß jemand Rat?

In Feldkirch angekommen, freuen wir uns über unser schnuckeliges Hotel „Alpenrose“ und noch mehr über den schönen Auftrittsort, das kleine Theater am Saumarkt. Der Soundcheck läuft ohne große Komplikationen, und wir haben noch Zeit, Backstage ein wenig zu proben. Diesmal kein neues Material, sondern lieber die alten Stücke, die allmählich anfingen, unter nachlassender Aufmerksamkeit zu leiden. So vergeht die Zeit bis zum Konzert.

Das Theater ist leider nicht bis zum letzten Platz besetzt, aber die Stimmung ist sehr gut. Das netteste Kompliment bekommen wir nach dem Konzert von unserem Veranstalter Konrad. Er fand uns auf der Bühne noch wesentlich besser als auf unserer Live-CD, und wir sollten Feldkirch eine zweite Chance geben. Das werden wir gerne tun!

Der Abend klingt im „Rösslepark“ aus, einer architektonisch sehr ansprechenden Lokalität. Erinnert mich Hannoveranerin an einen der Expo-Pavillons. Besonders interessant soll das Herrenklo sein, was wir Mädels uns aber nicht zu prüfen trauen. Was wir prüfen, ist die Küche, die uns mit u. a. mit Bergkäsespätzle verwöhnt. Wir wurden übrigens beim Verdauen vom Feldkircher Party-Fotografen geknipst und sind unter www.feldkirch.com (unter 19.03. “Partystimmung in der Feldkircher Innenstadt” - Bilder 18 und 20) zu bewundern.


Sonnabend, 20.3.
Heute geht es zurück nach Deutschland – das „Heimspiel“ in der Esslinger Dieselstraße ruft. Vorher machen wir noch einen Stadtbummel durch Feldkirch. Eine wirklich seeehr nette Stadt. Wäre bestimmt mindestens einen Kurzurlaub wert. Auf dem Markt ersteht Gudrun zwei Stücke Bergkäse (fein duftend ... ähem).
Außerdem fallen wir noch im Supermarkt ein. Es macht großen Spaß, in fremden Ländern nach alltäglichen Dingen zu sehen. Selbst bei unseren „nahen Verwandten“ in Österreich gibt es schon ein anderes Angebot. So erstehe ich u. a. als Mitbringsel für meine lieben Haustiere eine „Katzenwurst“. Sieht aus und fühlt sich an wie Blutwurst, liegt aber zwischen Whiskas- und Kitekat-Dosen. Außerdem auf unseren Einkaufszetteln stehen Manner-Waffeln, Marillenbrand, Marillenkonfitüre und Stroh-Rum. So bepackt, fahren wir weiter – und treffen auf der Autobahn vor dem Pfändertunnel auf tausende Urlaubsrückreiser. Au weia, daran hatten wir gar nicht gedacht. Und nun stehen wir im Stau. Ausweichrouten gibt es nicht. Über die Berge wäre zwar denkbar gewesen, würde aber bestimmt keine Zeitersparnis bringen, und Gudrun wird immer schon beim Gedanken an Serpentinen leicht flau im Magen. Also fügen wir uns in unser Schicksal und verbringen anderthalb Stunden im stark stockenden Verkehr. Schließlich ist es geschafft, wir lassen den Tunnel hinter uns und sind wieder in Deutschland. Bei Gudrun zuhause angekommen, haben wir noch eine Stunde Zeit bis wir zur Dieselstraße müssen. Wir laden einen Teil des Gepäcks aus und beschließen, einem typisch weiblichen Bedürfnis nachzukommen: Wir wollen putzen ;-), und zwar den Bus. Der ist nämlich in zwei Wochen Moremaids-Tour ganz schon beansprucht worden. Gesagt, getan, die Waschstraße wird angesteuert, die Münzen passend getauscht, und anschließend gewienert und gesaugt. Es macht sogar tatsächlich richtig Spaß. Die Empfehlung sei hiermit weiteregeben für alle Auto-Wasch-Muffel: Schließt euch in Kleingruppen zusammen und macht ein Happening daraus!

In der Dieselstraße fühlen wir uns alle gleich wie zuhause. Vor zwei Jahren haben wir hier unsere Live-CD eingespielt, was ein erstaunlich positives und verhältnismäßig stressfreies Erlebnis war, und Gudrun ist sowieso oft hier bei Konzerten anderer Bands. Die beiden Martins begrüßen uns mit Kaffee und belegten Brötchen, außerdem ist Rolf Wagels da, mein Compagnon bei DeReelium und Gudruns Compagnon bei Cara. Er war mit den anderen Caras (meinem Bruder Claus und seiner Freundin Sandra) bei Jürgen (Doppelfunktion als Toningenieur und Gitarrist bei Cara) im artes-Studio, um die CD-Aufnahme fertigzustellen. Ihr seht schon, wir sind alle eine große Familie.. ;-)
Alle werden heute abend beim Konzert dabei sein, was uns sehr freut. Wir beschließen, Rolf in der zweiten Hälfte endlich wieder einmal als Gastmusiker auf die Bühne zu bitten. Einmal hatten wir ihn schon auf einer ganzen Tour dabei, und auf unserer CD „Mary is busy...“ ist er bei „Angry“ mit von der Partie. Dies müssen wir allerdings noch mit der Frauenbeauftragten der Stadt Esslingen abstimmen, denn eigentlich läuft unser Konzert heute Abend im Rahmen einer Frauen-Kulturwoche, und da sind Männer auf der Bühne eigentlich nicht vorgesehen. Aber die Frauenbeauftragte zeigt Verständnis und gibt uns die freundliche Genehmigung - Rolf hat grünes Licht! Später bestätigt uns der frenetische Applaus des Publikums, dass Rolf keineswegs die Frauenpower stört ...

Nach dem Konzert, das wirklich ein ganz toller Abschluss für diese insgesamt sehr gelungene Tournee war, finden wir uns alle im traditionellen After-Show-Restaurant ein. Im „Theater-Café“ gibt es leckeres, griechisches Essen bis spät in die Nacht, und alle zusammen feiern wir den Tour-Abschluss.
Später wird die Feier dann bei Gudrun zuhause fortgesetzt (auch das hat bei Dieselstrassen-Gigs schon Tradition), und nach einem Schlückchen Feldkircher Marillenbrand begeben sich auch die Letzten endlich in ihre Betten.

Vielen Dank an alle, die unsere Konzerte besucht haben, Danke an alle Organisatoren und Helfer, alle die uns bewirtet und beherbergt haben - und bis zum nächsten Mal!








Frühjahrstour 2001

Hi Folks! Ich dachte, wäre doch schön, euch ein wenig teilhaben zu lassen an dem, was wir so in den 16 Tagen Tour erlebt haben. Entspannt euch, lehnt euch zurück und los gehts!
On the road mit den More Maids...
Viel Spaß beim Lesen,
Gudrun


23.03.01 Alte Druckerei, Lüdenscheid
Wir haben es geschafft!! Haben unser Zuhause, die Verpflichtungen und Chaos dort hinter uns gelassen und sind alle heil und ohne wichtigere Dinge zu vergessen in Lüdenscheid gelandet. Barbara reist mit dem (überfüllten) Zug an, Sven mit seinem Auto und Marion und ich mit dem Tourbus, Jürgens Ford Transit.
Die Stimmung ist gut, gespannte Vorfreude auf die Tour ist spürbar. Wir machen einen ausgedehnten Soundcheck, proben noch ein wenig die neuen Stücke über Anlage (bei „Lover´s Ghost“ und „Exile“ wird Marion erstmals bei uns ihre Konzertgitarre einsetzen) und spielen dann ein sehr schönes erstes Konzert vor einem dankbaren Publikum. Wir führen einen Teil der neuen Songs und Tunes bereits auf, und es klappt auch alles, nur als ich in der Pause schwungvoll von der Bühne hüpfe, übersehe ich eine Stufe und lande unsanft auf meinem Knie. Autsch, fängt ja gut an, Bühnenhose Nr.1 ruiniert.
Wir übernachten im “Brauhaus-Hotel“ und Marion und ich gehen noch ein bißchen ins eigentliche Brauhaus. Dort schaffen wir es, einem Kellner eine CD zu verkaufen, obwohl er uns gar nicht kennt und ein anderer Kellner, der die Unterhaltung mitverfolgt hat, fragt uns schließlich: “ganz alleine seid ihr unterwegs??“
Na klar!!

24.03.01 Keunig-Haus, Dortmund
Auf dem Weg nach Dortmund “überfliegen“ wir noch das gastliche Haus von Thomas in Hamm, wo wir in eine spontane Session verwickelt werden. Musik, Sekt und Stew tun ihr Werk und die Stimmung ist gut. So gut, daß alle Anwesenden beschließen, am Abend auf unser Konzert zu kommen.
Auf der Suche nach der richtigen Einfahrt zum Club kommen wir in Dortmund in eine Straße, an der ein großes Schild steht “Das Begehen dieser Straße ist Jugendlichen unter 18 Jahren verboten!“. Wir staunen. Beim Wendemanöver (war doch der falsche Weg), sehen wir auch warum: in den Schaufenstern sitzen lauter spärlich (ahem) bekleidete Damen, die uns drei mit unseren perplexen Gesichtern amüsiert betrachten...
Wir finden den Weg am Ende doch, treffen Sven wieder, der bei sich zuhause in Bochum übernachtet hatte, und bauen schnell auf (das Konzert beginnt eine halbe Stunde früher als wir dachten) und stürzen uns in die erste Hälfte des Programms. Alles läuft gut. Zu gut?! Alle Anwesenden sind begeistert, auch die Musiker “vom Fach“, alles bestens. Doch dann... Susanna Martin, unsere Hexe, weilt unter uns und findet auch, daß alles viel zu reibungslos funktioniert. Sie läßt Barbara eine Saite reißen und sie dann in der Dunkelheit die falsche Ersatzsaite aufziehen.....
Aber wofür haben wir 10 befreundete Musiker im Publikum? Während wir uns in eine spontane A-cappella Darbietung retten, zieht Tobi auf Barbaras Bouzouki die fehlende Saite auf... (Danke, Tobi!!)
Wir beschließen, nun, da der Ablauf sowieso schon durcheinander ist, eine noch spontanere Session mit allen Musikern zu machen. Das macht Laune...!!!! ;-)
Danach gehen wir mit Markus, Otto und Anna von “Lecker Sachen“, die extra aus Köln gekommen sind, noch lecker türkisch essen...mmmh...

25.03. Heute geht die Reise nach Ostfriesland, ins Taraxacum in Leer
Wir freuen uns schon alle!
Nach einer ereignislosen Fahrt und etwas Relaxen im Hotel bzw. Café finden wir uns zum Soundcheck wieder zusammen. Malle, Barbaras Mann, stößt für einen Abend zu uns, Barbara ist glücklich, und wir laufen zur bisherigen Höchstform auf. Leckeres Essen, guter Wein und ein wirklich aufmerksames, zahlreiches, begeistertes Publikum - volle Punktzahl!

26.03. Von der Nord- an die Ostsee in die Palette in Kappeln
Heute ist der erste unserer zwei “stationären“ Tage in Kappeln. Das Wetter wird schlagartig besser und die Landschaft zeigt sich von ihrer besten Seite. In der Palette angekommen, werden wir wieder hilflose Opfer von Hansis überwältigender Gastfreundschaft (“neigt ihr noch zu einem Whisky?“). Das Konzert ist schön, gut besucht, und wir führen erstmals nun alle neuen Stücke auf.
Für die zwei Nächte sind wir in einer Ferienwohnung (Urlaub auf dem Bauernhof) einquartiert, sehr schön mit eigenem Wohnzimmer - und wir können es nicht lassen, wofür haben wir schließlich unseren Karton “Tourwein“ dabei? Bis in die frühen Morgenstunden sitzen wir gemütlich zusammen... Morgen können wir ausschlafen!

27.03.01 Ein Tag am Meer...
Beißender Wind und 0 Grad, aber tooooll, ehrlich! (s. Fotos)
Vor allem für uns “Südländer“, Marion und mich...
Dann ein gemütliches Mittagessen, Stadtbummel - quasi Urlaub.
Abends ist die “Palette“ wirklich zum Platzen voll, die Stimmung entsprechend, und wir geben unser Bestes! Ein weiterer Abend unter Hansis Einfluß.. ;-) (noch so eine Woche und wir sind kugelrund!!).

28.03.01 Alte Wassermühle, Syke-Barrien
Auf dem Weg dorthin fahren wir einen kleinen Umweg, um (laut Barbara) die beste Currywurst Deutschlands an der A 27, Raststätte Daverden zu testen. Eine Riesenportion mit ordentlich Mayo und Pommes...lecker, aber - urgh - schwer verdaulich. In der Wassermühle angekommen räumen wir mit dem Bild der “ordentlichen“ Frauenband auf und bestellen erstmal drei Cognac, sehr zum Erstaunen der Veranstalterin...
Die Inneneinrichtung der Wassermühle ist sehr gemütlich und urig, erfordert aber, dass wir alle unseren Platzbedarf minimieren. Also rücken wir auf engstem Raum zusammen, Sven quetscht sich samt Mischpult in eine Fensternische, denn der Laden ist komplett ausverkauft. Uns geht es gut, dem Publikum auch, und so nimmt ein weiterer netter Abend seinen Lauf...
...und findet schließlich in der Küche unserer sehr schönen, funkelnagelneuen kleinen Pension bei Rotwein ein Ende...
Sven ist für Rotwein nicht zu begeistern, obwohl er es probiert. Wir nehmen es bedauernd zur Kenntnis.

29.03.01 To'n Goosmarkt, Itzehoe
Auf dem Weg leisten wir uns einen Abstecher nach Hamburg und gehen gediegen shoppen - klasse! Wir werden fündig und können unseren Bühnenklamottenbestand etwas aufstocken. Super. Ich esse ein romantisches Fischbrötchen mit Blick auf die Alster und dann gehts weiter nach Itzehoe, durch Sturm und Gewitter (!!)
Angenehme Erinnerungen an das letzte Konzert hier und an Ianni, den Wirt. Und auch diesmal ist es wieder schön hier! Allerdings fühle ich mich heute zum ersten Mal nicht mehr ganz so frisch, den anderen geht es ähnlich - 6 Abende fordern ihren Tribut...
Nach dem Konzert finden wir heraus, was Sven so mag: Cocktails und Longdrinks..! Aha! Wir schließen uns an und sitzen noch fröhlich zusammen - heute müssen wir nur noch eine Treppe nach oben, dort stehen unsere Betten. Die Nacht wird turbulent (die Wände sind dünn, der Fußboden knarrt, Hunde bellen), aber wir können ausschlafen, morgen müssen wir nur 80 km bewältigen.

30.03.01 Nach dem Frühstück bringen wir schnell die 80 km nach Bad Oldesloe hinter uns, wo wir im Historischen Rathaus spielen. Wir haben genügend Zeit, erstmal gemütlich im Hotel einzuchecken und - Ihr merkt schon, wir haben neben der Musik noch eine andere große Leidenschaft - richtig lecker Mittagessen zu gehen. Wir finden ein italienisches Restaurant -aah, Bella Italia!!!- und genießen die hervorragende Küche. Danach beschließen Marion und Barbara, zum Frisör zu gehen. Sven will schlafen, ich ein bißchen üben, und so trennen sich unsere Wege bis zum Soundcheck.
Gut erholt treffen wir uns am Rathaus, es verspricht, ein guter Abend zu werden. Und wir werden nicht enttäuscht: Das Haus ist ausverkauft, wir sind in Bestform, und alle sind glücklich!!!
(Barbara und Marion meinen, ohne den Gang zum Frisör hätten sie bestimmt nicht so gut gespielt...) Nach diesem rundum guten Konzert gehts raus in ein feudales Lokal, wo wir nochmal ganz lecker essen. Und da heute der letzte Abend ist, an dem Sven noch mit uns übernachtet, leisten wir uns zum Dessert Cocktails. Ein Vorgeschmack auf den Sommer...

31.03.01 Zweischlingen, Bielefeld
Fly-over-Hannover, wo wir Malle einpacken.
Durch mehrere Staus finden wir den Weg nach Bielefeld und schließlich auch zum Club. Ein flotter Aufbau und Soundcheck (wir sind mittlerweile ein reibungslos funktionierendes Team), und dann besichtigen wir unser Hotel, ein “Waldschlößchen“ mitten im Wald, ehemals sehr feudal, mit verblichener Eleganz... und spukiger Atmosphäre. Angeregt durch unsere geliebten Gruselballaden stelle ich mir allerhand Geschichten vor, die hier stattgefunden haben könnten... und beschließe, heute Nacht lieber mit Licht zu schlafen... ;-)
Und wieder ist es gut besucht und wir tun, was wir können, um das Ganze für uns und die Leute im Publikum zu einem schönen Abend zu machen. Das Konzert läuft prima, nur bei der Zugabe wird Barbara leicht irritiert durch das Klingeln ihres Handys direkt neben der Bühne (es spielt einen Tune, daher ist es gut zu erkennen...). Irgendwann mußte es ja einer von uns passieren. Sie telefoniert kurz mit Georg, der wissen will, wo in Hannover ein bestimmtes Konzert stattfindet..?!?!
Nach dem Konzert trifft Marion ihre Verwandschaft, die sie seit vielen Jahren nicht gesehen hat, und wir essen gemütlich noch eine “Kleinigkeit“ (riesige Portionen äußerst leckeres Essen... Hilfe...). Leider ist die Stunde des Abschieds von Sven gekommen, wir geben uns alle Mühe, ihn gebührend zu verabschieden (Hupkonzert). Tja, schon sind die ersten neun Konzerte vorbei, und es geht schon schnell, finde ich..

01.04.01. Thomas-Morus-Haus, Eisenberg, Konzert um 17.00 Uhr
April, April, begrüßt uns mit wunderschönem Wetter in der Pfalz, viel zu schön für ein Sonntagnachmittagskonzert... Und wir sind froh, daß trotzdem genug Leute kommen. Heute treffen wir uns mit Martin, unserem Techniker für die zweite Woche, und ehe wir es recht kapieren, ist das Konzert vorbei und der ganze Abend liegt noch vor uns...
Wir, das sind heute außer der Band und Martin noch „Marions“ Andreas und „mein“ Jürgen, machen einen Abstecher in das neu eröffnete Irish Pub unseres Managers Hans Mohr (sehr zu empfehlen: “Connemara“ in Eisenberg/Pfalz). Danach trennen sich unsere Wege: Marion und Andreas fahren nach Mannheim; Barbara, Martin, Jürgen und ich übernachten bei meinen Eltern - endlich mal wieder in der Heimat! Dort trete ich gegen Mitternacht noch den Beweis an, daß Pfälzer Bratwurst am besten schmeckt und haue vier Stück in die Pfanne. Mein Vater hatte auch noch extra für uns Kuchen gebacken, und so klingt der Abend bei Apfelkuchen und Pfälzer Dornfelder gemütlich aus...

02.04.01
Ausschlafen im -zumindest ehemals- eigenen Bett, mmmh...
Nach einem üppigen Frühstück und ein paar faulen Stunden auf dem Balkon in der Sonne beschließen wir, noch einen kleinen Ausflug ins benachbarte Freinsheim zu machen - eine Kleinstadt mit mittelalterlicher Stadtmauer und hübschen kleinen Gassen (der Pfalz-Touristiktipp!!). Wir bummeln ein wenig und landen schließlich in einem Straßencafé, wo es auch deftige Pfälzer Spezialitäten gibt! Wir können nicht widerstehen: Barbara und Jürgen probieren Wellfleisch, ich halte mich an die “Lewwerknepp“ (Leberknödel), Martin bleibt (leicht irritiert?) beim Milchkaffee.
Abgefüttert geht es zurück zu meinen Eltern, wo wir Marion und Andreas treffen und Jürgen verabschieden. Dann besteigen wir wieder den Bus und fahren nach Hatzenbühl in der Südpfalz. Heute abend spielen wir dort in Angelos Pizzeria - wir sind sehr gespannt! Aber es entpuppt sich als wirklich toller Veranstaltungsort, es ist gerammelt voll und die Stimmung ist so gar nicht montagsmäßig, richtig klasse! Auch hier sind wieder einige Pfälzer Bekannte gekommen, und nach dem Konzert kocht Angelo noch für uns.
Leider beginnt sich bei mir ein leichter Halsschmerz auszubreiten - o weh... ich versuche, es zu verdrängen.
Übernachtung wieder bei meinen Eltern, ist nicht weit und gemütlicher als jedes Hotel...

03.04.01 Talbahnhof, Eschweiler
Eine lange Fahrt ohne größere Vorkommnisse endet in Eschweiler, wo wir in unser Hotel einchecken (feudales, großes Hotel mit Chipkarten... ich brauche ca. 15 min. bis ich es schaffe, die Tür zu meinem Zimmer zu öffnen...) und dann in einer nur auf den ersten Blick mexikanischen Bar eine Kleinigkeit essen gehen. An der Größe und Form der Pommes läßt sich gut feststellen, daß wir nicht mehr weit von Holland und Belgien entfernt sind. Dann Aufbau und Soundcheck, und leider setzt sich die Erkältung doch etwas fest bei mir, denn irgendwie bin ich heute fast taub. Mein Monitor hat eine brüllende Lautstärke und doch höre ich fast nichts... Aber wir spielen gut und schaffen es, auch diesen Raum mit dem antiseptischen Charme eines Konferenzraumes mit Atmosphäre zu füllen. Das Publikum dankt es uns mit einem wirklich guten CD-Verkauf. Und nun wäre es eigentlich Zeit, noch eine Kleinigkeit im Club zu essen und dann ins Bett zu gehen, aber wir müssen leider feststellen, daß der Koch schon nach Hause gegangen ist, während wir CDs verkauft haben..! Frustriert und hungrig machen wir uns auf den Weg zum Bus - an dem ein Strafzettel prangt - und fahren zum Hotel, wo wir wieder lange nach einem Parkplatz suchen (unser Bus hat Überhöhe und paßt in keine Tiefgarage...). Schließlich klappt es, und wir machen uns auf die Suche nach etwas Eßbarem. Nach mehreren erfolglosen Versuchen - schließlich ist 23.00 Uhr schon durch - landen wir in einem neueröffneten griechischen Lokal, wo uns der Wirt ein “Überraschungsmenü“ anpreist, das er extra für uns zum Pauschalpreis noch zubereiten will. Er hält uns für Einheimische und verspricht sich wohl einen gewissen Werbeeffekt davon. Als er erfährt, daß wir “fahrendes Volk“ sind, reduziert sich das Menü schlagartig auf eine Platte mit Fleischwürfeln, dazu trockenes Brot und Tomatensalat. Irgendwie haben wir das Gefühl, etwas übers Ohr gehauen worden zu sein. Aber da es zu spät ist, sich darüber noch Gedanken zu machen, gehen wir einfach ins Bett.

04.04.01.
Morgens beim Frühstück stelle ich fest, daß ich eher krächze als spreche...
Vor uns liegt eine Strecke von satten 500 km nach Saulgau in Südschwaben. Wir brechen um halb 10 auf und brauchen mit diversen Staus, Hagel und Gewitter 10 (!) Stunden, bis wir endlich in Saulgau ankommen!!! Wir sind erschöpft, aber das Konzert wartet, und so bauen wir trotz beengter Verhältnisse in der bereits gut gefüllten Kneipe in Rekordzeit auf, ziehen uns um und - los geht´s. Ich finde es selbst schon faszinierend, wie gut man äußere Umstände, Krankheit etc. beim Konzert vergessen kann und doch versucht, den Leuten den Abend so schön wie möglich zu machen. Nach getaner Arbeit wartet noch ein leckeres Essen beim italienischen Restaurant unseres Hotels auf uns, das uns mit dem wirklich sehr anstrengenden Tag versöhnt. Danach wollen wir alle nur noch ...
...schlafen...

05.04.01. Sonthofen
Da wir keine weite Fahrt vor uns haben, lassen wir einstimmig das Frühstück “bis 10.00“ im Hotel ausfallen - schließlich sind die Mägen auch noch voll mit Pasta - , um stattdessen noch ein bißchen Schlaf abzubekommen. Als man uns schließlich doch aus den Betten wirft, gehen wir einen schnellen Kaffee trinken und beratschlagen dabei unsere weiteren Pläne. Ich erinnere mich an ein sehr gutes Restaurant in Leutkirch (nur ein kleiner Umweg) und schlage vor, dort Mittagessen zu gehen. Gesagt, getan. wir fahren nach Leutkirch, erkämpfen uns einen Parkplatz und - stehen vor verschlossener Tür (leider geschlossen)! Dann beginnt eine verzweifelte Suche nach einem Restaurant, das länger als bis exakt 14:00 Mittagstisch hat. Bald geben wir die Vorstellungen von verschiedenen Leckereien “á la carte“ auf und hoffen nur noch, überhaupt irgendwas zu bekommen. Und im letzten Gasthaus hat die Wirtin Mitleid und bietet uns ofenfrischen Schweinebraten mit Semmelknödeln an. Wir nehmen an, und es ist auch lecker. Uff.
Gestärkt treten wir die Weiterreise an, das Alpenpanorama ist überwältigend und wir fahren langsam wieder die “scenic route“, machen ein paar Fotos und kommen schließlich in Sonthofen an. Der Veranstaltungsort ist sehr nett, schlafen werden wir direkt vor Ort - wir richten uns häuslich ein. Leider wird meine Erkältung immer schlimmer, ich kann kaum noch singen, aber die moderne Chemie hat da Mittel zur Abhilfe: Ich nehme eine halbe Stunde vor Konzertbeginn zwei “Grippostad“ (keine Werbung, Tatsachen!) und bin wie ausgewechselt!! Fieber weg, Husten weg, Stimme wieder da - super! allein schon die Freude darüber bringt uns in Schwung und der Abend wird gut! Nach dem Konzert verlieren wir uns ein bißchen in der Diskussion, ob Frauen ein schlechteres Rhythmusgefühl haben als Männer... wir einigen uns schließlich darauf, daß man das nicht pauschalisieren kann, kommt auf den Kulturkreis an und auf vieles mehr...

06.04.01.
Eigentlich wollten Barbara und Martin heute das Nebelhorn besteigen, aber das macht seinem Namen alle Ehre und verhüllt sich. Schade, Barbara war erst einmal in den Alpen und hatte nach 18 Jahren Abstinenz doch mal wieder Lust auf Berge. Stattdessen planen wir einen Besuch am Bodensee. Dort war Barbara noch nie - wir stellen fest, daß wir zu selten südlich von Stuttgart unterwegs sind. Am Bodensee finden wir ein nettes kleines Restaurant, und danach eine hübsche Uferpromenade zum Flanieren in der Sonne. Barbara und ich beschließen, daß es Zeit für das erste Eis des Jahres ist. Wir machen ein paar Fotos und fahren weiter. In Meßkirch im K 9 angekommen bauen wir auf und fahren nochmal ins Hotel, wo ich endlich von Barbara und Martin Skat beigebracht bekomme. Wir zocken bis kurz vor dem Konzert - es macht richtig Spaß - und dann fahren wir zurück und fangen an. Heute ist es eine echte Herausforderung, gegen den Lärmpegel der Besucher anzukommen - der Motorradclub “MC Outsider“ ist geschlossen anwesend, und wie sagt unser Veranstalter so nett: “da müßt ihr ein bißchen Verständnis haben, die fahren ja sonst Motorrad und da können sie sich nicht so gut unterhalten...!“ Wir nehmen es von der professionellen Seite und geben unser Bestes - und es wird honoriert! Sogar die “harten Jungs“ mögen unsere Musik und wollen uns am Ende des Abends sogar für ein Konzert auf dem Motoradtreffen engagieren...!

07.04.01 Kaufbeuren, Podium
Der letzte Tag...
Auf dem Weg nach Kaufbeuren wollen wir Ravensburg besichtigen und dort Essen gehen. Leider schüttet es wie aus Kübeln, als wir in Ravensburg sind. So sehr, daß wir weiterfahren und ein Restaurant am Weg suchen. Das erste hat zwar offen, aber wir platzen mitten in eine geschlossene Gesellschaft und fühlen uns unerwünscht. Das zweite hat schon geschlossen. Das dritte - gottseidank - geöffnet und wir essen schwäbisch: Maultaschen,Linsen mit Spätzle...hmm. Gestärkt und guter Dinge geht es weiter nach Kaufbeuren. Wir checken im Hotel ein (sehr schönes Hotel) und fahren zum Club und dort nimmt das Unglück seinen Lauf! Das Schicksal hat wohl heute auf uns herabgeblickt und beschlossen, daß bisher alles viel zu reibungslos geklappt hat und prompt hagelt es Überraschungen!
Den ganzen Abend auszuformulieren, würde den Rahmen sprengen, daher hier nur noch die “Facts“:
- wir kommen an, der Club hat Stromausfall (nicht die ganze Stadt, nur die Straße)
- der Veranstalter ist vollkommen aufgelöst und kurz davor, das Konzert abzusagen - wir beschließen, abzuwarten.
- die Stadtwerke werden kontaktiert und bestätigen, daß an einer Baustelle die Stromleitung angebohrt worden ist. Reparatur nicht kurzfristig möglich.
- der Veranstalter setzt Himmel und Hölle in Bewegung und besorgt ein Notstromaggregat.
- derweil bauen wir im Dunkeln auf, so gut es geht. Wir haben zwar viele Helfer, aber die sorgen eher zusätzlich für Verwirrung.
- um 20:00 (eigentlicher Konzertbeginn) haben wir Strom und Licht . Wir machen Soundcheck. Heute sind alle gestreßt, die Bedingungen sind schwierig, der Sound so la la.
- ca. um 21:00 fangen wir an. Der Saal ist voll, die Leute in “Ausnahmestimmung“ - gut gelaunt und gespannt. Beim zweiten Lied hat Barbaras Kanal Wackelkontakte - mal hört man die Stimme, mal nicht. Wir singen akustisch.
- der Wackler kommt nicht wieder, wir spielen weiter. Die Geige fällt aus. Während wir spielen, kriechen Leute über die Bühne, um das kaputte Kabel auszutauschen.
- bei “Eamonn´s House“ - ein Stück, das unter dem Eindruck eines Stromausfalls in Irland entstanden ist, wird es schlagartig wieder dunkel! Der Strom ist weg, das Aggregat hat schlappgemacht. Unerschrocken beenden wir das erste Set akustisch. Jetzt kann uns nichts mehr schrecken!
- In der Pause wird das Aggregat repariert, und wir können das Konzert ohne größere Zwischenfälle beenden.
Heute können wir wirklich stolz auf uns sein! Das Publikum dankt es uns mit wirklich sehr herzlichen Reaktionen - das einzige, was zählt!
Zusammen mit Florian, der gerade von seiner Tourne mit Anne Wylie noch zu uns gestoßen ist und seiner Freundin Eva verziehen wir uns ins Hotel. Barbara und ich sind heute die letzten, die ins Bett gehen, die “gelbe Sau“ ist schon aufgegangen, die Vögel lärmen - ein würdiger Abschluß!

Drei Stunden später treffen wir uns schon wieder am Frühstücksbuffet (uuh). Barbara und ich sind etwas still. Wir machen die Abrechnung (das heißt Marion rechnet !), und dann trennen wir uns von Barbara, die mit dem Zug direkt nach Hannover fährt. Schon ein komisches Gefühl, jetzt wo wir uns so aneinander gewöhnt haben... schnüff...
Der Rest der Truppe bricht Richtung Esslingen auf. An der Tanke vergesse ich den Tankdeckel (ahem, bin wohl noch nicht so richtig fit...) aber es passiert nichts. An der nächsten Tanke kaufe ich einen neuen.
Und dann sind wir da! Esslingen, Bahnhof. Ich setze Marion und Martin ab und bin auf einmal ganz alleine... ??!!!
Dafür darf ich nach Hause, wo ich schon sehnsüchtig von Jürgen und den zwei Katzen erwartet werde. Schön, wieder zuhause zu sein. Aber die nächste Tour kommt bald, und wir freuen uns schon wieder darauf, unterwegs zu sein!!!!!!

Bis dann, danke für eure Unterstützung,
die “Maids“
xxx